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Ich weiss nicht, welcher Beruf zu mir passt – was tun?

Veröffentlicht am
22.10.2023
Händedruck bei einem Bewerbungsgespräch als Symbol für berufliche Neuorientierung, Karriere und Jobsuche.

Wie finde ich heraus, welcher Beruf wirklich zu mir passt?

Die meisten Menschen finden ihren Traumberuf nicht durch Nachdenken allein. Berufliche Klarheit entsteht oft durch Erfahrungen, Irrwege, Ausprobieren, Krisen und die Bereitschaft, Verantwortung für die eigene Entwicklung zu übernehmen.

Du musst deinen Traumberuf nicht finden – du entwickelst ihn unterwegs

Viele Menschen stellen sich die Frage:

"Welcher Beruf passt zu mir?"

Als gäbe es irgendwo eine geheime Liste.

Eine perfekte Antwort.

Einen Beruf, der exakt zu ihrer Persönlichkeit passt und sie automatisch glücklich macht.

Ich glaube nicht mehr daran.

Nicht weil ich pessimistisch bin.

Sondern weil ich in meinem Leben und in meiner Arbeit etwas anderes beobachtet habe.

Die meisten Menschen finden ihren Weg nicht.

Sie entwickeln ihn.

Oft über Umwege.

Über Fehler.

Über Krisen.

Über Zufälle.

Und manchmal auch über ein Burnout.

Meine eigene berufliche Sinnsuche

Eigentlich war meine Richtung schon früh klar.

Zumindest dachte ich das.

Ich wollte Menschen unterstützen.

Oder genauer gesagt:

Ich wollte irgendetwas mit Psychologie machen.

Mit gerade einmal acht Schuljahren im Rucksack war das allerdings kein besonders realistischer Plan.

Also machte ich etwas anderes.

Ich ging in die Gastronomie.

Nicht aus Leidenschaft.

Sondern weil ich von zu Hause ausziehen wollte.

Rückblickend habe ich damals zu früh zu viel Verantwortung übernommen.

Und wie so oft im Leben kam irgendwann die Gegenbewegung.

Ich wurde rebellisch.

Wollte plötzlich gar keine Verantwortung mehr übernehmen.

Für einen erwachsenen Mann ist das allerdings kein besonders gesundes Lebenskonzept.

"Wenn schon kein Psychologiestudium, dann wenigstens auswandern und berühmt werden"

Mein nächster Plan war ungefähr genauso realistisch.

Ich wollte in die USA auswandern.

Mangels Greencard blieb daraus jedoch nichts.

Also tat ich das, was einer Auswanderung nach Amerika für mich am nächsten kam:

Ich bewarb mich bei Planet Hollywood.

Dort arbeitete ich als Head of Training, Führungskraft, Organisator und Mädchen für alles gleichzeitig.

Irgendwann hatte ich rund 90 Mitarbeitende unter mir.

Ich arbeitete viel.

Schlief wenig.

Feierte ausgiebig.

Und landete schliesslich in einem Burnout.

Damals fühlte sich das wie ein Scheitern an.

Heute weiss ich:

Es war einer der wichtigsten Wendepunkte meines Lebens.

Warum viele Menschen ihren Beruf hassen

Die meisten Menschen wählen ihren Beruf nicht völlig frei.

Sie wählen unter bestimmten Bedingungen.

  • Erwartungen der Eltern
  • finanzielle Sicherheit
  • gesellschaftliches Ansehen
  • Angst vor Risiken
  • Bequemlichkeit
  • Zufall

Daran ist nichts falsch.

Problematisch wird es nur, wenn wir später merken:

"Das passt gar nicht mehr zu mir."

Viele Menschen bleiben trotzdem.

Aus Angst.

Aus Gewohnheit.

Oder weil sie glauben, sie hätten keine Alternative.

Manche werden dadurch zunehmend frustriert.

Andere entwickeln eine innere Kündigung.

Wieder andere funktionieren einfach weiter.

Woran erkennst du, dass dein Beruf nicht mehr zu dir passt?

Vielleicht kennst du einige dieser Gedanken:

  • Ich freue mich schon am Sonntagabend nicht auf Montag.
  • Ich zähle die Jahre bis zur Pensionierung.
  • Ich bin ständig erschöpft.
  • Ich fühle mich unterfordert.
  • Ich fühle mich überfordert.
  • Ich beneide Menschen, die ihre Arbeit lieben.
  • Ich frage mich immer häufiger, ob das schon alles war.

Nicht jeder schlechte Tag bedeutet, dass du den Beruf wechseln solltest.

Aber wenn diese Gedanken über Monate oder Jahre bestehen bleiben, lohnt sich ein genauer Blick.

Vom Naturheilpraktiker zum Coach

Nach dem Burnout ging meine Suche weiter.

Immerhin wurde mir mit jedem Job klarer, was ich gerne mache.

Menschen unterstützen.

Menschen begleiten.

Menschen helfen, zufriedener zu werden.

Menschen dabei unterstützen, ihr Potenzial zu entfalten.

In diesem Sinn passte auch meine Ausbildung zum Naturheilpraktiker gut zu meinem Weg.

Sie war vielleicht nicht die endgültige Antwort.

Aber sie war ein weiterer wichtiger Schritt.

Und genau das ist eine wichtige Erkenntnis:

Nicht jeder Beruf muss die Endstation sein.

Manche Berufe sind Brücken.

Die wichtigste berufliche Erkenntnis meines Lebens

Später arbeitete ich beim RAV als Kursleiter.

Nicht als Arbeitsloser.

Sondern als jemand, der andere Menschen auf ihrem Weg unterstützt.

Ich führte Hunderte von Kursen durch.

Begleitete unzählige Stellensuchende.

Lernte, wie Menschen ticken.

Wie Motivation funktioniert.

Wie Veränderung funktioniert.

Und wie sie manchmal eben nicht funktioniert.

Vor allem lernte ich etwas anderes:

Auch ich brauchte Hilfe.

Ich fand einen Mentor.

Herausfordernd.

Unbequem.

Direkt.

Ehrlich.

Und gleichzeitig wohlwollend.

Alleine hätte ich viele meiner blinden Flecken nie erkannt.

Diese Erfahrung prägt meine Arbeit bis heute.

Die grösste Lüge über den Traumberuf

Viele Menschen glauben:

"Wenn ich nur den richtigen Beruf finde, werde ich glücklich."

Das klingt logisch.

Ist aber oft zu einfach.

Denn auch im Traumberuf gibt es:

  • Stress
  • Konflikte
  • Unsicherheit
  • schlechte Tage
  • schwierige Menschen

Der Unterschied ist lediglich:

Du bist eher bereit, diese Herausforderungen in Kauf zu nehmen.

Deshalb suche ich mit Klienten selten nach dem perfekten Beruf.

Sondern nach einem Beruf, der besser zu ihren Werten, Stärken und Interessen passt.

Die 10 wichtigsten Schritte zu deinem passenden Beruf

1. Finde heraus, was du wirklich tun willst

Nicht was deine Eltern wollen.

Nicht was dein Partner möchte.

Nicht was auf LinkedIn gut aussieht.

Sondern was dich interessiert.

2. Recherchiere verschiedene Berufe

In der Schweiz gibt es über 2'500 Berufe.

Viele Menschen kennen davon vielleicht 50.

3. Erstelle ein überzeugendes Dossier

Ein guter Lebenslauf und ein verständliches Bewerbungsdossier öffnen Türen.

4. Lass dich finden

LinkedIn, Xing und andere Plattformen werden oft unterschätzt.

5. Nutze den verdeckten Arbeitsmarkt

Viele Stellen werden nie öffentlich ausgeschrieben.

6. Verlasse deine Komfortzone

Fast jede berufliche Veränderung fühlt sich zunächst unbequem an.

7. Sprich mit Menschen, die dort sind, wo du hinmöchtest

Ihre Erfahrungen können Jahre an Irrwegen ersparen.

8. Nutze Initiativbewerbungen

Hier findest du mehr dazu:

Initiativbewerbung: Vorteile und Tipps

9. Nimm telefonisch Kontakt auf

Ein kurzes Gespräch kann mehr bewirken als zehn Bewerbungen.

10. Lerne aus Absagen

Eine Absage ist nicht automatisch ein Urteil über deinen Wert.

Oft bedeutet sie lediglich:

Nicht jetzt.

Nicht dort.

Oder nicht mit dieser Bewerbung.

Mein wichtigster Bewerbungstipp

Viele Menschen glauben:

Wenn eine Absage kommt, ist alles vorbei.

Das stimmt nicht.

Der Empfänger deiner Bewerbung ist nicht immer die entscheidende Person.

Hast du wirklich alles versucht?

Kennst du den Teamleiter?

Die zukünftigen Kollegen?

Die verantwortliche Führungskraft?

Hast du alternative Wege genutzt?

LinkedIn?

Telefon?

Netzwerke?

Es geht immerhin um dein Leben.

Nicht um irgendeine Bestellung bei Digitec.

Deshalb lohnt es sich häufig, einen zweiten oder dritten Weg auszuprobieren.

Was ich in über zehn Jahren Job-Coaching gelernt habe

Die erfolgreichsten Menschen waren selten die Klügsten.

Selten die Talentiertesten.

Und selten diejenigen mit den besten Noten.

Sie hatten etwas anderes gemeinsam:

Sie blieben dran.

Sie waren bereit zu lernen.

Sie waren bereit, Fehler zu machen.

Und sie übernahmen Verantwortung.

Nicht für alles.

Aber für ihren nächsten Schritt.

Coachingfragen zur beruflichen Neuorientierung

Vielleicht helfen dir diese Fragen:

  • Würde ich diesen Beruf heute nochmals wählen?
  • Welche Tätigkeiten machen mir wirklich Freude?
  • Welche Aufgaben kosten mich dauerhaft Energie?
  • Wofür werde ich regelmässig gelobt?
  • Welche Probleme löse ich gerne?
  • Was würde ich tun, wenn ich keine Angst hätte?
  • Welche Entscheidung schiebe ich seit Jahren vor mir her?
  • Welche Verantwortung vermeide ich gerade?

FAQ

Wie finde ich heraus, welcher Beruf zu mir passt?

Durch Selbstreflexion, Erfahrungen, Gespräche, Tests und praktische Erprobung. Die meisten Menschen finden ihren Weg nicht durch Nachdenken allein.

Ist es normal, mit 40 oder 50 den Beruf wechseln zu wollen?

Ja. Viele Menschen hinterfragen ihre berufliche Situation in der Lebensmitte. Das ist völlig normal.

Gibt es den perfekten Traumberuf?

Wahrscheinlich nicht. Es gibt jedoch Berufe, die deutlich besser zu deinen Werten, Interessen und Fähigkeiten passen als andere.

Soll ich kündigen, wenn ich unglücklich bin?

Nicht unbedingt. Oft lohnt es sich zuerst, die Ursachen genauer zu verstehen und Alternativen zu prüfen.

Kann Karriere-Coaching helfen?

Ja. Gerade bei beruflicher Orientierung, Bewerbungen, Karrierefragen oder Entscheidungskonflikten kann ein externer Blick sehr hilfreich sein.

Schlussgedanke

Wenn ich eines gelernt habe, dann dies:

Die wenigsten Menschen planen ihren Lebensweg so, wie er später tatsächlich verläuft.

Meiner führte über die Gastronomie.

Über Planet Hollywood.

Über ein Burnout.

Über Naturheilkunde.

Über das RAV.

Bis hin zum Coaching.

Hätte mir das jemand mit zwanzig Jahren erzählt, hätte ich vermutlich gelacht.

Zum Glück müssen wir nicht die ganze Landkarte kennen.

Oft reicht es, den nächsten sinnvollen Schritt zu sehen.

Und den Mut zu haben, ihn zu gehen.

➡️ Unglücklich im Job?

➡️ Initiativbewerbung in der Schweiz – Vorteile und Tipps

➡️ Einige Stimmen von Klientinnen und Klienten, die ihr Feedback teilen wollten

Über den Autor

Anton Schumann ist Coach in Zürich und begleitet Menschen bei beruflicher Neuorientierung, Bewerbungen, Karrierefragen, Selbstwert, Führung und persönlicher Entwicklung. Als ehemaliger Kursleiter, Job Coach und Coach mit langjähriger Praxiserfahrung kennt er die Herausforderungen beruflicher Veränderung aus beiden Perspektiven: der fachlichen und der persönlichen.

Wenn du merkst, dass dich das länger beschäftigt

Dann kann ein Gespräch sinnvoll sein. Nicht für schnelle Lösungen – sondern um herauszufinden, was wirklich für dich passt.

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