Lesezeit
32
min

7 Führungsfehler, die ich gemacht habe – und was du daraus lernen kannst

Veröffentlicht am
18.5.2026
Schafhirte führt seine Herde ruhig und entschlossen durch die Landschaft – Sinnbild für vertrauensvolle und klare Führung.

Was sind die häufigsten Führungsfehler?

Die häufigsten Führungsfehler sind Konfliktvermeidung, mangelnde Kommunikation, Kontrollverhalten, fehlendes Feedback und emotionale Überforderung. Viele Führungskräfte handeln dabei nicht aus Bosheit, sondern aus Stress, Unsicherheit oder dem Wunsch, von allen gemocht zu werden.

Führung scheitert selten an Intelligenz

Ich wollte als Führungskraft vieles gleichzeitig sein:

  • menschlich,
  • klar,
  • stark,
  • beliebt,
  • verständnisvoll,
  • leistungsfähig.

Heute weiss ich:
Genau dieser innere Spagat kann Führung extrem schwierig machen.

Viele Führungskräfte, die ich heute begleite, sind weder faul noch inkompetent. Im Gegenteil. Viele sind engagiert, intelligent und übernehmen Verantwortung. Doch genau diese Menschen geraten oft unter enormen inneren Druck.

Ich kenne das aus eigener Erfahrung.

In meinen ersten Führungsrollen dachte ich lange:
Wenn ich mich genug bemühe, verständnisvoll genug bin und Konflikte vermeide, wird automatisch ein gutes Team entstehen.

Das Gegenteil war oft der Fall.

Heute begleite ich Führungskräfte, Unternehmer und Menschen mit Verantwortung als Coach in Zürich. Und erstaunlich viele Herausforderungen ähneln sich – unabhängig von Branche oder Position.

Fehler 1: Ich wollte beliebt sein – und verlor an Klarheit

Zu Beginn meiner ersten Führungsaufgabe bei Planet Hollywood wollte ich vor allem eines:
Ein guter Chef sein.

Ich war freundlich, verständnisvoll und versuchte Konflikte möglichst zu vermeiden.

Kurzfristig funktionierte das sogar.

Langfristig entstanden jedoch:

  • Unsicherheit,
  • fehlende Grenzen,
  • Überforderung,
  • unausgesprochene Erwartungen,
  • und schleichender Respektverlust.

Heute weiss ich:
Beliebtsein ist kein Führungsziel.

Menschen vertrauen Führungskräften nicht primär, weil sie nett sind – sondern weil sie klar, berechenbar und glaubwürdig wirken.

Fehler 2: Mein Perfektionismus lähmte das Team

Ich wollte keine Fehler machen – aus Angst, an Glaubwürdigkeit zu verlieren.

Das Problem:
Perfektionismus erzeugt Druck.

Nicht nur bei einem selbst, sondern auch im Team.

Menschen beginnen Fehler zu verstecken.
Initiative sinkt.
Kreativität verschwindet.
Kommunikation wird vorsichtiger.

Heute weiss ich:
Psychologische Sicherheit ist eine der wichtigsten Grundlagen moderner Führung.

Menschen lernen schneller und arbeiten ehrlicher, wenn sie nicht permanent Angst vor Fehlern haben müssen.

Fehler 3: Ich sprach Probleme zu spät an

Das war wahrscheinlich einer meiner grössten Fehler.

Ich hoffte oft zu lange, dass sich Spannungen von selbst lösen würden.

Ich wollte niemanden verletzen. Keine Eskalation erzeugen. Nicht „zu streng“ wirken.

Doch ungelöste Konflikte verschwinden selten einfach.

Sie verändern nur ihre Form.

Aus offenen Problemen werden dann:

  • passive Aggression,
  • Rückzug,
  • schlechte Stimmung,
  • Misstrauen,
  • stille Kündigung,
  • oder emotionale Erschöpfung.

Heute sehe ich:
Schwierige Gespräche früh zu führen ist oft deutlich menschlicher als ewiges Ausweichen.

Fehler 4: Ich gab Feedback nur bei Problemen

Früher dachte ich:
„Wenn ich nichts sage, ist alles gut.“

Heute weiss ich:
Genau das erzeugt Unsicherheit.

Menschen brauchen Orientierung.
Nicht nur Kritik.

Dabei geht es nicht um künstliches Dauerlob oder Motivationssprüche.

Sondern um nachvollziehbare Rückmeldung:

  • Was funktioniert gut?
  • Welche Wirkung hat ein Verhalten?
  • Was sollte verbessert werden?
  • Was wird gesehen?

Viele Mitarbeitende leiden weniger unter Kritik als unter emotionaler Unklarheit.

Fehler 5: Ich war zu ehrlich – aber nicht differenziert genug

Ich hielt radikale Offenheit lange für besondere Authentizität.

Doch Ehrlichkeit allein macht Kommunikation nicht automatisch hilfreich.

Manche Mitarbeitende fühlten sich durch meine Direktheit motiviert.
Andere verletzt oder bloßgestellt.

Heute sehe ich:
Gute Kommunikation ist nicht unehrlich – aber differenziert.

Nicht jeder Mensch braucht dieselbe Sprache.
Nicht jede Situation verträgt dieselbe Härte.

Emotionale Intelligenz bedeutet nicht, alles weichzuspülen.

Sondern:
Wirkung mitzudenken.

Fehler 6: Ich war entweder zu präsent – oder zu abwesend

Manchmal wollte ich alles kontrollieren und ständig erreichbar sein.

Dann wieder zog ich mich zurück, weil ich emotional erschöpft war.

Beides war problematisch.

Heute weiss ich:
Gute Führung braucht Rhythmus.

Zu viel Kontrolle nimmt Menschen Eigenverantwortung.
Zu wenig Präsenz erzeugt Unsicherheit.

Führung bewegt sich oft im Spannungsfeld zwischen Nähe und Distanz.

Fehler 7: Ich wollte zu viel Sinn stiften

Ich versuchte früher oft, jeder Aufgabe eine grössere Bedeutung zu geben.

Heute sehe ich:
Nicht jeder Mensch sucht permanent nach „Purpose“.

Viele Mitarbeitende wünschen sich zuerst etwas viel Einfacheres:

  • Klarheit,
  • Stabilität,
  • Respekt,
  • faire Kommunikation,
  • und ein funktionierendes Team.

Das war für mich eine wichtige Erkenntnis.

Führung bedeutet nicht Perfektion

Viele Führungsfehler entstehen nicht aus Bosheit.

Sondern aus:

  • Unsicherheit,
  • Überforderung,
  • Angst vor Ablehnung,
  • Konfliktvermeidung,
  • oder mangelnder Selbstreflexion.

Deshalb halte ich wenig von künstlichen Leadership-Floskeln.

Gute Führung entsteht selten durch perfekte Theorien.
Sondern durch:

  • Selbstreflexion,
  • psychologisches Verständnis,
  • ehrliche Kommunikation,
  • emotionale Stabilität,
  • und die Bereitschaft, dazuzulernen.

Genau daran arbeite ich heute mit Führungskräften und Menschen mit Verantwortung im Coaching.

Häufige Fragen zu Führungsfehlern

Was ist der häufigste Führungsfehler?

Einer der häufigsten Führungsfehler ist Konfliktvermeidung. Viele Probleme werden zu spät angesprochen, wodurch Unsicherheit und Frustration entstehen.

Warum scheitern gute Führungskräfte?

Oft nicht wegen mangelnder Intelligenz, sondern wegen emotionaler Überforderung, Perfektionismus oder dem Wunsch, von allen gemocht zu werden.

Welche Rolle spielt emotionale Intelligenz in der Führung?

Emotionale Intelligenz hilft Führungskräften, Konflikte früh zu erkennen, klarer zu kommunizieren und psychologische Sicherheit im Team aufzubauen.

Können empathische Menschen gute Führungskräfte sein?

Ja – oft sogar sehr gute. Entscheidend ist jedoch, gesunde Grenzen zu entwickeln und nicht dauerhaft die emotionale Verantwortung für alle anderen zu übernehmen.

Schlussgedanke

Viele Führungsfehler entstehen nicht aus Bosheit.

Sondern aus Stress, Unsicherheit, Überforderung oder dem Wunsch, von allen gemocht zu werden.

Vielleicht muss moderne Führung nicht perfekter werden.

Sondern ehrlicher.

➡️ Coaching für Führungskräfte und Menschen mit Verantwortung

➡️ Blog: 7 Prinzipien für erfolgreiche Führung

➡️ Einige Stimmen von Klientinnen und Klienten, die ihr Feedback teilen wollten

➡️ Business Coaching & Personalentwicklung: Warum externes Coaching Mitarbeitende und Unternehmen nachhaltig stärken kann

Wenn du merkst, dass dich das länger beschäftigt

Dann kann ein Gespräch sinnvoll sein. Nicht für schnelle Lösungen – sondern um herauszufinden, was wirklich für dich passt.

klar
ehrlich
direkt