Lesezeit
32
min

Kann ich zuhause bleiben, wenn ich meine Periode habe? In Spanien schon!

Veröffentlicht am
22.10.2023
Frau sitzt nachdenklich am Meer und blickt in die Ferne – Symbolbild für zyklisches Arbeiten, Selbstreflexion, Energie und den weiblichen Menstruationszyklus

Sollten Frauen während ihrer Periode zuhause bleiben dürfen?

Manchmal ja.

Nicht weil Frauen schwach sind.

Sondern weil manche Frauen jeden Monat Beschwerden erleben, die ihre Konzentration, Energie oder Leistungsfähigkeit erheblich beeinträchtigen können.

In Spanien wurde deshalb 2023 ein Menstruationsurlaub eingeführt. Die Idee löste weltweit Diskussionen aus.

Die einen fanden:

"Endlich wird das Thema ernst genommen."

Die anderen fragten:

"Werden Frauen dadurch nicht erst recht benachteiligt?"

Ich finde die Diskussion spannend.

Nicht weil ich glaube, dass jede Frau zuhause bleiben sollte.

Sondern weil sie eine grössere Frage aufwirft:

Warum arbeiten wir eigentlich so, als wären alle Menschen jeden Tag gleich leistungsfähig?

Warum ich diesen Artikel als Mann schreibe

Ich bin kein Gynäkologe.

Kein Hormonexperte.

Und ich werde nie eine Menstruation erleben.

Trotzdem beschäftigt mich das Thema.

Nicht zuletzt, weil ich mit drei Schwestern aufgewachsen bin und viele Frauen in meinem Umfeld habe.

Je mehr ich darüber lernte, desto mehr fragte ich mich:

Warum sprechen wir so viel über Burnout, Stress und Depressionen – aber so wenig über etwas, das Millionen Frauen jeden Monat erleben?

Vielleicht, weil viele Beschwerden unsichtbar sind.

Vielleicht, weil man gelernt hat, einfach zu funktionieren.

Vielleicht, weil viele Frauen selbst lange dachten, ihre Beschwerden seien normal.

Nicht jede Frau erlebt ihren Zyklus gleich

Das ist wichtig.

Manche Frauen haben kaum Beschwerden.

Andere leiden unter:

  • starken Krämpfen
  • Migräne
  • Erschöpfung
  • Schlafproblemen
  • Stimmungsschwankungen
  • Konzentrationsproblemen
  • PMS
  • Endometriose
  • emotionaler Überforderung

Deshalb gibt es keine allgemeingültige Regel.

Was für die eine Frau funktioniert, kann für eine andere völlig unpassend sein.

Warum zyklisches Arbeiten interessant sein kann

Die Idee des zyklischen Arbeitens ist einfach:

Anstatt davon auszugehen, dass du jeden Tag gleich funktionierst, lernst du deinen eigenen Rhythmus besser kennen.

Viele Frauen berichten beispielsweise, dass sie sich während bestimmter Phasen ihres Zyklus:

  • kreativer fühlen
  • kommunikativer sind
  • mehr Energie haben
  • konzentrierter arbeiten können

Während andere Phasen eher geprägt sind von:

  • Rückzug
  • Reflexion
  • Müdigkeit
  • höherer Sensibilität

Das bedeutet nicht, dass du dein Leben komplett nach deinem Zyklus ausrichten musst.

Aber es kann hilfreich sein, die eigenen Muster zu kennen.

Was hilft wirklich?

Nicht jede Frau muss sofort eine App herunterladen.

Nicht jede Frau muss ihren ganzen Kalender umstellen.

Ein einfacher Anfang kann sein:

Beobachte dich während drei Monaten.

Frage dich:

  • Wann habe ich besonders viel Energie?
  • Wann fällt mir Kreativität leicht?
  • Wann brauche ich mehr Ruhe?
  • Wann bin ich emotional empfindlicher?
  • Wann fällt mir Kommunikation besonders leicht?

Oft entstehen dabei überraschende Muster.

Nicht bei jeder Frau.

Aber bei vielen.

Was hilft bei Menstruationsbeschwerden?

Nicht jede Frau leidet gleich stark. Und nicht jede Methode hilft jeder Frau. Trotzdem gibt es einige Strategien, die sich in Studien und im Alltag vieler Frauen bewährt haben.

Wärme

Für viele Frauen gehört eine Wärmflasche, ein Kirschkernkissen oder ein warmes Bad zu den wirksamsten Mitteln gegen Krämpfe.

Wärme kann die Muskulatur entspannen und Schmerzen reduzieren.

Bewegung statt Bettruhe

Das klingt paradox.

Gerade wenn man sich schlecht fühlt, möchte man oft liegen bleiben.

Doch leichte Bewegung hilft vielen Frauen:

  • Spaziergänge
  • Yoga
  • leichtes Krafttraining
  • Dehnen
  • Velofahren

Es geht nicht um Leistung.

Es geht um Durchblutung und Bewegung.

Ausreichend Schlaf

Schlafmangel verschlechtert oft:

  • Schmerzen
  • Reizbarkeit
  • Erschöpfung
  • Konzentration

Wer schlecht schläft, erlebt Beschwerden häufig intensiver.

Magnesium

Einige Frauen berichten von positiven Erfahrungen mit Magnesium gegen Krämpfe.

Ob und wie stark es hilft, ist individuell verschieden.

Bei Unsicherheit lohnt sich ein Gespräch mit Arzt oder Apotheke.

Schmerzmittel bewusst nutzen

Viele Frauen haben gelernt, Schmerzen einfach auszuhalten.

Manchmal ist das unnötig.

Geeignete Schmerzmittel können die Lebensqualität deutlich verbessern.

Wer regelmässig starke Beschwerden hat, sollte dies ärztlich abklären lassen.

Alkohol reduzieren

Alkohol kann Schlaf, Stimmung und Entzündungsprozesse negativ beeinflussen.

Viele Frauen berichten, dass ihre Beschwerden in Monaten mit weniger Alkohol spürbar geringer sind.

Stress ernst nehmen

Stress verursacht die Menstruation nicht.

Er kann Beschwerden aber verstärken.

Das Nervensystem spielt eine grössere Rolle, als viele denken.

Zyklus beobachten

Nicht um sich einzuschränken.

Sondern um Muster zu erkennen.

Viele Frauen stellen erst durch Beobachtung fest:

  • wann Beschwerden beginnen
  • welche Auslöser eine Rolle spielen
  • was ihnen tatsächlich hilft

Wann solltest du zum Arzt?

Starke Menstruationsschmerzen sind nicht automatisch normal.

Bitte lass Beschwerden abklären, wenn:

  • du regelmässig Schmerzmittel brauchst
  • du kaum arbeitsfähig bist
  • du ohnmächtig wirst
  • die Schmerzen sehr stark sind
  • sich die Beschwerden plötzlich verändern
  • du den Verdacht auf Endometriose hast

Niemand sollte jahrelang leiden, nur weil ihm eingeredet wurde, das sei halt normal.

Zyklisches Arbeiten in der Praxis

Viele Menschen stellen sich darunter etwas Esoterisches vor.

Dabei kann es sehr pragmatisch sein.

Zum Beispiel:

Wenn du weisst, dass du in bestimmten Phasen besonders kommunikativ bist, könntest du dort wichtige Gespräche, Präsentationen oder Verhandlungen planen.

Wenn du merkst, dass du mehr Rückzug brauchst, könnte das eine gute Zeit für konzentrierte Einzelarbeit sein.

Wenn du unter starken Beschwerden leidest, kann Selbstfürsorge manchmal produktiver sein als Selbstverurteilung.

Das Ziel ist nicht Perfektion.

Das Ziel ist ein besseres Verständnis für dich selbst.

Brauchen wir Menstruationsurlaub?

Ich weiss es nicht.

Und vermutlich gibt es keine einfache Antwort.

Manche Frauen würden davon profitieren.

Andere möchten auf keinen Fall speziell behandelt werden.

Vielleicht liegt die eigentliche Lösung nicht in neuen Regeln.

Sondern in mehr Flexibilität.

Homeoffice.

Vertrauensarbeitszeit.

Verständnis.

Gespräche.

Die Möglichkeit, auf individuelle Bedürfnisse einzugehen.

Nicht nur bei Frauen.

Sondern bei Menschen allgemein.

Was Männer oft unterschätzen

Viele Männer haben keine Ahnung, wie unterschiedlich Frauen ihre Menstruation erleben.

Und viele Frauen sprechen verständlicherweise nicht gerne darüber.

Deshalb entstehen Missverständnisse.

Es geht nicht darum, Frauen zu bemitleiden.

Es geht auch nicht darum, jede Stimmungsschwankung auf Hormone zu reduzieren.

Aber ein wenig Verständnis schadet selten.

Wenn jemand Schmerzen hat, erschöpft ist oder sich nicht wohl fühlt, hilft Mitgefühl meistens mehr als Kritik.

Was Partner wissen sollten

Nicht jede Frau möchte Hilfe.

Nicht jede Frau möchte darüber sprechen.

Aber viele Frauen wünschen sich:

  • Verständnis statt Urteile
  • Interesse statt Annahmen
  • Unterstützung statt Belehrungen

Manchmal reicht schon eine einfache Frage:

"Was würde dir heute helfen?"

Die eigentliche Botschaft

Vielleicht geht es beim zyklischen Arbeiten gar nicht nur um Frauen.

Vielleicht erinnert uns das Thema an etwas Grösseres:

Menschen sind keine Maschinen.

Nicht Männer.

Nicht Frauen.

Nicht Führungskräfte.

Nicht Selbständige.

Nicht Eltern.

Wir alle haben Phasen mit mehr Energie.

Und Phasen mit weniger Energie.

Wer lernt, seinen eigenen Rhythmus besser zu verstehen, muss nicht weniger leisten.

Er muss oft nur intelligenter mit seinen Ressourcen umgehen.

FAQ

Was bedeutet zyklisches Arbeiten?

Zyklisches Arbeiten bedeutet, den eigenen Menstruationszyklus bewusst wahrzunehmen und Aufgaben möglichst passend zur eigenen Energie und Belastbarkeit zu planen.

Gibt es wissenschaftliche Beweise für zyklisches Arbeiten?

Es gibt Hinweise darauf, dass hormonelle Veränderungen Stimmung, Energie und Wohlbefinden beeinflussen können. Die individuellen Unterschiede sind jedoch gross.

Sollte jede Frau ihren Zyklus tracken?

Nein. Manche Frauen profitieren davon, andere nicht. Entscheidend ist, ob das Wissen im Alltag hilfreich ist.

Ist Menstruationsurlaub sinnvoll?

Darüber wird kontrovers diskutiert. Für manche Frauen kann er hilfreich sein. Andere bevorzugen flexible Arbeitsmodelle.

Was können Partner tun?

Zuhören, Verständnis zeigen und nicht davon ausgehen, dass jede Frau die Menstruation gleich erlebt.

Über den Autor

Ich bin Anton Schumann, Coach in Zürich. In meiner Arbeit begleite ich Menschen bei persönlichen Krisen, Beziehungen, Kommunikation, Selbstwert und Veränderungen in der Lebensmitte.

Ich bin kein Spezialist für Menstruation oder Hormone. Dennoch begegnet mir das Thema immer wieder – bei Freunden, Bekannten und Klientinnen. Dieser Artikel soll keine medizinische Beratung ersetzen, sondern dazu beitragen, dass offener über ein Thema gesprochen wird, das Millionen Frauen betrifft.

Schlussgedanke

Vielleicht geht es beim Menstruationszyklus nicht darum, Frauen zu schonen.

Vielleicht geht es darum, Menschen besser zu verstehen.

Nicht jeder Körper funktioniert gleich.

Nicht jeder Mensch tickt linear.

Und vielleicht beginnt echte Stärke dort, wo wir aufhören, so zu tun, als wäre das anders.

➡️ Wechseljahre: Was passiert wirklich mit Körper, Psyche und Beziehungen?

➡️ Wie finde ich einen passenden Partner?

➡️ Warum viele Menschen ihre Gefühle unterdrücken – und welche Folgen das haben kann

Wenn du merkst, dass dich das länger beschäftigt

Dann kann ein Gespräch sinnvoll sein. Nicht für schnelle Lösungen – sondern um herauszufinden, was wirklich für dich passt.

klar
ehrlich
direkt