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Warum komme ich von Menschen nicht los, die mir nicht guttun?

Veröffentlicht am
6.4.2026
Verschwommenes Bild eines Spielautomaten als Symbol für Hoffnung, unvorhersehbare Belohnung, emotionale Abhängigkeit und toxische Beziehungsmuster.

Warum komme ich von Menschen nicht los, obwohl sie mir nicht guttun?

Oft bindet uns nicht nur Liebe an einen Menschen, sondern die Hoffnung auf den nächsten guten Moment. Wenn Nähe, Anerkennung, Sex, Entschuldigung oder Aufmerksamkeit unvorhersehbar kommen, reagiert unser Gehirn besonders stark. Dann bleiben wir manchmal nicht, weil es uns gutgeht, sondern weil wir auf den nächsten Gewinn warten.

Vielleicht bist du nicht verliebt. Vielleicht hoffst du.

Vielleicht schreibt sie heute.

Vielleicht entschuldigt er sich.

Vielleicht versteht meine Mutter mich diesmal.

Vielleicht sieht mein Vater endlich, wer ich bin.

Vielleicht erkennt mein Chef heute, wie viel ich leiste.

Vielleicht will sie wieder Nähe.

Vielleicht will er diesmal wirklich etwas ändern.

Vielleicht kommt die Nachricht.

Vielleicht kommt das Geld.

Vielleicht kommt der Moment, in dem sich alles gelohnt hat.

Genau dort beginnt oft die Falle.

Nicht immer mit Liebe.

Nicht immer mit Bindung.

Nicht immer mit klarer Entscheidung.

Sondern mit Hoffnung.

Und Hoffnung kann unglaublich stark sein.

Sie kann trösten.

Sie kann helfen, schwierige Zeiten zu überstehen.

Sie kann Menschen am Leben halten.

Aber Hoffnung kann auch süchtig machen.

Vor allem dann, wenn sie unberechenbar wird.

Wenn der gute Moment nicht regelmässig kommt, sondern manchmal.

Wenn Nähe nicht stabil ist, sondern zufällig.

Wenn Anerkennung nicht selbstverständlich ist, sondern wie ein Preis wirkt.

Wenn du nie weisst:

Kommt heute etwas Gutes?

Oder wieder nichts?

Dann sitzt du nicht mehr nur in einer Beziehung.

Du sitzt möglicherweise an einer Slot-Maschine.

Die Slot-Maschine im Kopf

Die meisten Menschen würden von sich sagen:

Ich bin nicht spielsüchtig.

Ich würde niemals stundenlang an einem Automaten sitzen und hoffen, dass gleich der grosse Gewinn kommt.

Und doch tun viele Menschen genau das.

Nicht im Casino.

Sondern in Beziehungen.

In Familien.

Im Job.

Auf Instagram.

Auf Dating-Apps.

In Affären.

Bei Menschen, die ihnen selten geben, was sie brauchen – aber manchmal gerade genug, damit sie bleiben.

Das Prinzip ist einfach:

Nicht jeder Versuch wird belohnt.

Aber vielleicht der nächste.

Vielleicht ist die nächste Nachricht liebevoll.

Vielleicht ist der nächste Abend schön.

Vielleicht ist das nächste Gespräch ehrlich.

Vielleicht ist der nächste Blick warm.

Vielleicht ist der nächste Streit der letzte.

Vielleicht kommt jetzt endlich der Kha-Ching-Moment.

Dieser eine Moment, in dem alles Sinn ergibt.

In dem der andere erkennt, was er dir antut.

In dem du endlich bekommst, worauf du so lange gewartet hast.

Und genau deshalb drückst du weiter.

Noch einmal.

Noch ein Gespräch.

Noch eine Erklärung.

Noch eine Chance.

Noch eine Nachricht.

Noch ein inneres: Vielleicht diesmal. Ein letztes Mal?

Warum ein unberechenbarer Partner oft stärker bindet als ein liebevoller

Das klingt zuerst absurd.

Warum sollte uns jemand stärker binden, der uns unregelmässig Liebe, Aufmerksamkeit oder Nähe gibt?

Müsste nicht ein liebevoller, verlässlicher Mensch attraktiver sein?

Eigentlich ja.

Aber unser Nervensystem funktioniert nicht immer so vernünftig.

Ein Mensch, der konstant freundlich, liebevoll und verlässlich ist, gibt Sicherheit.

Das ist gesund.

Aber es ist nicht immer aufregend.

Ein Mensch, der mal warm und mal kalt ist, erzeugt Spannung.

Heute Nähe.

Morgen Distanz.

Heute Sex.

Morgen Abwertung.

Heute Versöhnung.

Morgen Schweigen.

Heute Hoffnung.

Morgen Entzug.

Und irgendwann beginnt dein System, nicht mehr nach Liebe zu suchen, sondern nach Erleichterung.

Nach dem Moment, in dem die Anspannung kurz aufhört.

Nach der Nachricht.

Nach dem Blick.

Nach dem Satz:

Ich vermisse dich.

Nach dem einen Abend, an dem alles wieder gut scheint.

Viele Menschen verwechseln diese Erleichterung mit Liebe.

Dabei ist es manchmal nur der kurze Moment, in dem der Schmerz nachlässt.

Wenn dich dieses Hin und Her betrifft, passt vielleicht auch der Artikel On-Off-Beziehung: Wie weiter?.

Das Sapolsky-Prinzip: Warum Hoffnung süchtig machen kann

Der Neurobiologe Robert Sapolsky beschreibt vereinfacht gesagt ein spannendes Prinzip:

Dopamin steigt oft nicht erst dann stark an, wenn wir die Belohnung bekommen.

Sondern bereits in der Erwartung.

Also kurz davor.

Beim Vielleicht.

Beim Warten.

Beim Hoffen.

Beim Vibrieren des Handys.

Beim roten Punkt auf Instagram.

Bei der Nachricht:

Sie schreibt.

Er meldet sich.

Das Geld kommt.

Sie will dich sehen.

Er ist heute nett.

Genau dieser Moment kann stärker wirken als die eigentliche Realität danach.

Das erklärt, warum Menschen manchmal stundenlang auf eine Nachricht warten.

Warum jemand immer wieder Instagram öffnet.

Warum ein Mensch in einer toxischen Beziehung bleibt.

Warum jemand einem Scammer weiter glaubt.

Warum ein Kind immer wieder hofft, dass der Vater diesmal stolz ist.

Warum ein Mitarbeiter immer weiter leistet, damit der Chef endlich zufrieden ist.

Es geht nicht nur um den Gewinn.

Es geht um die Erwartung des Gewinns.

Und wenn diese Erwartung unberechenbar bleibt, kann daraus eine Suchtschleife werden.

Instagram, Dating und die moderne Slot-Maschine

Früher sass die Slot-Maschine im Casino.

Heute steckt sie oft in der Hosentasche.

WhatsApp.

Instagram.

Dating-Apps.

OnlyFans.

Tinder.

LinkedIn.

E-Mail.

Benachrichtigungen.

Likes.

Stories.

Gelesen.

Nicht geantwortet.

Online.

Wieder weg.

Jemand postet etwas.

Du fragst dich:

Ist das für mich?

Meint sie mich?

Ist er mit jemand anderem unterwegs?

Warum schaut sie meine Story, antwortet aber nicht?

Warum schreibt er nur nachts?

Warum liked sie plötzlich wieder?

Das Problem ist nicht die App allein.

Das Problem ist, was sie in dir aktiviert.

Manchmal sucht ein erwachsener Mensch nicht wirklich nach einer Nachricht.

Er sucht nach Bestätigung.

Nach Begehrtwerden.

Nach Sicherheit.

Nach einem Zeichen:

Ich bin noch wichtig.

Ich bin noch interessant.

Ich bin nicht vergessen.

Wenn du merkst, dass du dich immer wieder von Menschen angezogen fühlst, die plötzlich verfügbar und dann wieder unerreichbar sind, passt vielleicht auch mein Artikel Warum verliere ich das Interesse, wenn mich jemand will?.

Die Mutter, der Vater, der Chef und der Partner

Das Muster beginnt nicht immer in der Liebe.

Manchmal beginnt es viel früher.

Bei einer Mutter, deren Stimmung unberechenbar war.

Heute warm.

Morgen kalt.

Heute stolz.

Morgen enttäuscht.

Heute nah.

Morgen überfordert.

Das Kind lernt:

Vielleicht ist sie heute erreichbar.

Vielleicht bekomme ich heute Liebe.

Vielleicht mache ich heute alles richtig.

Oder bei einem Vater, der selten zufrieden war.

Vielleicht sieht er mich heute.

Vielleicht bin ich heute stark genug.

Vielleicht bin ich heute nicht peinlich.

Vielleicht bin ich heute kein Problem.

Oder in der Schule.

Vielleicht werde ich heute nicht ausgelacht.

Vielleicht komme ich heute durch.

Vielleicht merkt niemand, dass ich Angst habe.

Oder im Job.

Vielleicht lobt mich mein Chef heute.

Vielleicht reicht meine Leistung diesmal.

Vielleicht sieht jemand, wie viel ich trage.

Später wiederholt sich das Muster manchmal in Beziehungen.

Vielleicht behandelt sie mich heute gut.

Vielleicht will er heute Nähe.

Vielleicht entschuldigt sie sich.

Vielleicht bleibt er diesmal.

Vielleicht wird alles wieder wie am Anfang.

Das Wort „vielleicht“ kann ein ganzes Leben bestimmen.

Mein unbequemster Gedanke

Wenn ich auf mein eigenes Leben zurückblicke, wird mir etwas bewusst.

Viele meiner Beziehungen – privat, beruflich und freundschaftlich – haben mich psychisch und körperlich erschöpft.

Ich habe mich selten wirklich sicher gefühlt.

Selten wirklich ruhig.

Selten wirklich gemeint.

Selten wirklich entspannt.

Trotzdem blieb ich oft.

Ich erklärte.

Ich hoffte.

Ich kämpfte.

Ich wartete.

Ich dachte:

Vielleicht versteht sie es irgendwann.

Vielleicht sieht er irgendwann, was ich gebe.

Vielleicht wird es endlich leichter.

Vielleicht kommt der grosse Kha-Ching-Moment.

Heute glaube ich nicht mehr, dass ich einfach dumm war.

Ich glaube, ich sass oft an einer verdammt guten Slot-Maschine.

Und ich kannte ehrlich gesagt lange nichts anderes.

Wenn Liebe, Anerkennung oder Sicherheit in der Kindheit unberechenbar waren, fühlt sich später auch unberechenbare Nähe vertraut an.

Nicht gut.

Aber vertraut.

Und manchmal ist das Vertraute stärker als das Gesunde.

Warum du dich dafür nicht hassen musst

Viele Menschen schämen sich, wenn sie nicht loskommen.

Sie denken:

Ich bin schwach.

Ich bin abhängig.

Ich bin naiv.

Ich bin dumm.

Ich müsste es besser wissen.

Aber Wissen allein löst nicht immer Bindung.

Du kannst wissen, dass dir jemand nicht guttut.

Und trotzdem hoffen.

Du kannst wissen, dass ein Mensch dich ausnutzt.

Und trotzdem warten.

Du kannst wissen, dass eine Beziehung dich kaputtmacht.

Und trotzdem den nächsten guten Moment suchen.

Das heisst nicht, dass mit dir etwas falsch ist.

Es heisst, dass dein Nervensystem auf etwas reagiert, das stark ist.

Hoffnung.

Belohnung.

Entzug.

Erleichterung.

Bindung.

Erinnerung.

Körper.

Diese Mechanismen sind nicht moralisch.

Sie sind biologisch.

Und genau deshalb ist Selbsthass so wenig hilfreich.

Wenn du an einer Slot-Maschine sitzt, hilft es nicht, dich dafür zu beschimpfen.

Hilfreicher ist zu erkennen:

Ah.

Das ist eine Slot-Maschine.

Woran erkennst du, dass du an einer Slot-Maschine sitzt?

Du wartest ständig auf den nächsten guten Moment.

Du fühlst dich selten wirklich sicher.

Du erklärst das Verhalten des anderen immer wieder.

Du erinnerst dich stark an die schönen Momente und blendest die schlechten schneller aus.

Du hoffst mehr, als dass du erlebst.

Du brauchst sehr wenig, um wieder Hoffnung zu bekommen.

Eine Nachricht reicht.

Ein Blick reicht.

Ein Kompliment reicht.

Ein guter Abend reicht.

Du denkst oft:

Jetzt hat er es verstanden.

Jetzt wird es anders.

Jetzt lohnt es sich doch.

Und kurz darauf beginnt alles von vorne.

Du bist emotional erschöpft, aber innerlich noch nicht fertig.

Du willst gehen, aber du wartest.

Du willst loslassen, aber du schaust nochmals.

Du willst frei sein, aber ein Teil von dir will den nächsten Gewinn.

Warum der Ausstieg so schwer ist

Der Ausstieg ist schwer, weil du nicht nur einen Menschen verlierst.

Du verlierst auch die Hoffnung.

Und manchmal ist die Hoffnung stärker als die Beziehung selbst.

Du verlierst die Vorstellung:

Vielleicht wird es doch noch gut.

Vielleicht erkennt er mich doch noch.

Vielleicht liebt sie mich doch noch richtig.

Vielleicht kommt doch noch der Moment, auf den ich so lange gewartet habe.

Das tut weh.

Deshalb bleiben viele Menschen nicht wegen der Gegenwart.

Sie bleiben wegen einer möglichen Zukunft.

Nicht wegen dem, was ist.

Sondern wegen dem, was vielleicht noch kommen könnte.

Das ist auch der Grund, warum reine Pro-und-Contra-Listen oft nicht reichen.

Auf dem Papier ist alles klar.

Aber im Körper lebt noch ein Vielleicht.

Wenn du mit der Frage ringst, ob du bleiben oder gehen sollst, kann dir auch der Artikel Trennung oder zusammenbleiben? helfen.

Wie du beginnst, herauszukommen

Der erste Schritt ist selten der endgültige Kontaktabbruch.

Der erste Schritt ist oft viel kleiner.

Du erkennst das Spiel.

Du erkennst die Dynamik.

Du erkennst:

Ich warte nicht nur auf diesen Menschen.

Ich warte auf einen Gewinn.

Ich warte auf Erleichterung.

Ich warte auf ein Zeichen, dass ich doch richtig bin.

Und dann kannst du anfangen, andere Fragen zu stellen.

Frage nicht nur:

Liebe ich diesen Menschen?

Frage:

Fühle ich mich in seiner Nähe sicher?

Frage nicht nur:

Kann er sich ändern?

Frage:

Wie oft hat er sich bisher dauerhaft verändert?

Frage nicht nur:

Wie stark ist meine Hoffnung?

Frage:

Wie sieht die Realität aus?

Frage nicht nur:

Warum komme ich nicht los?

Frage:

Was gibt mir diese Dynamik, das ich an anderer Stelle nicht bekomme?

Frage nicht nur:

Warum tue ich mir das an?

Frage:

Welches Bedürfnis versucht mein Verhalten zu erfüllen?

Der Ausstieg beginnt oft nicht damit, dass du den anderen anders siehst.

Er beginnt damit, dass du die Slot-Maschine erkennst.

Was du konkret tun kannst

Schreibe nicht auf, was du hoffst.

Schreibe auf, was tatsächlich passiert.

Nicht:

Er könnte sich ändern.

Sondern:

Was hat er in den letzten sechs Monaten konkret verändert?

Nicht:

Sie liebt mich doch.

Sondern:

Wie fühle ich mich nach Kontakt mit ihr?

Nicht:

Vielleicht wird es besser.

Sondern:

Was spricht dafür, basierend auf Verhalten – nicht auf Versprechen?

Hilfreich kann auch sein, eine einfache Liste zu führen:

Was war der Auslöser?

Was habe ich gehofft?

Was ist real passiert?

Wie habe ich mich danach gefühlt?

Was habe ich daraus gelernt?

Damit machst du etwas Entscheidendes:

Du bringst Realität zurück in ein System, das von Hoffnung lebt.

Warum Verstehen allein nicht reicht

Viele Menschen verstehen ihre Muster erstaunlich gut.

Sie können erklären, warum sie bleiben.

Warum sie hoffen.

Warum sie Angst haben.

Warum sie sich angezogen fühlen.

Warum sie wieder schreiben.

Warum sie wieder nachsehen.

Warum sie wieder vergeben.

Und trotzdem ändert sich nichts.

Warum?

Weil Verstehen nicht automatisch Verhalten verändert.

Verstehen ist wichtig.

Aber manchmal wird Verstehen selbst zur nächsten Runde an der Slot-Maschine.

Noch eine Analyse.

Noch eine Erklärung.

Noch ein Podcast.

Noch ein Gespräch.

Noch ein „jetzt habe ich es verstanden“.

Und danach passiert wieder dasselbe.

Deshalb braucht es irgendwann nicht nur Einsicht.

Sondern eine kleine neue Handlung.

Nicht perfekt.

Nicht radikal.

Aber anders.

Nicht nochmals nachsehen.

Nicht sofort antworten.

Nicht wieder erklären.

Nicht den eigenen Schmerz kleinreden.

Nicht die Realität zugunsten der Hoffnung glätten.

Manchmal beginnt Freiheit mit einem sehr unspektakulären Satz:

Ich spiele diese Runde nicht mehr.

Kurzes Glossar: wichtige Begriffe einfach erklärt

Investment-Paradoxon

Du bleibst, weil du schon so viel investiert hast: Zeit, Liebe, Geld, Energie, Hoffnung, Tränen. Je mehr du investiert hast, desto schwerer fühlt sich der Ausstieg an. Obwohl genau das kein Beweis ist, dass Bleiben gut ist.

Sapolsky-Prinzip

Vereinfacht gesagt: Unser Gehirn reagiert oft besonders stark auf die Erwartung einer Belohnung. Nicht erst der Gewinn macht den Kick, sondern das Vielleicht davor.

Intermittierende Verstärkung

Belohnungen, die unregelmässig und unvorhersehbar kommen, können besonders stark binden. Genau deshalb wirken Spielautomaten, On-Off-Beziehungen und unberechenbare Menschen oft so intensiv.

Trauma-Bindung

Eine Bindung, die durch den Wechsel von Schmerz, Angst, Hoffnung und Erleichterung entsteht. Nicht jede starke Bindung ist deshalb automatisch Liebe.

Kognitive Dissonanz

Ein innerer Widerspruch. Zum Beispiel: „Dieser Mensch tut mir nicht gut“ und gleichzeitig „Ich bleibe trotzdem“. Um diesen Widerspruch auszuhalten, suchen wir oft Erklärungen.

Verlustaversion

Verluste fühlen sich oft stärker an als Gewinne. Deshalb haben wir manchmal mehr Angst davor, jemanden zu verlieren, als Freude daran, frei zu werden.

FAQ: Häufige Fragen

Warum komme ich von Menschen nicht los, die mir nicht guttun?

Weil nicht nur Liebe bindet. Oft bindet die Hoffnung auf den nächsten guten Moment. Wenn Nähe, Anerkennung oder Bestätigung unvorhersehbar kommen, entsteht eine starke Erwartungsschleife. Dein Gehirn wartet dann auf Erleichterung, nicht unbedingt auf echte Liebe.

Ist das Liebe oder Abhängigkeit?

Manchmal ist es beides. Liebe kann vorhanden sein, aber trotzdem von Angst, Hoffnung, Entzug und unvorhersehbarer Belohnung überlagert werden. Eine hilfreiche Frage lautet: Fühle ich mich bei diesem Menschen sicher – oder nur kurz erleichtert, wenn es wieder gut ist?

Warum wirken toxische Beziehungen so intensiv?

Weil starke Schwankungen intensive Gefühle erzeugen. Nähe nach Distanz, Versöhnung nach Streit oder Zuwendung nach Abwertung können sich extrem stark anfühlen. Das heisst aber nicht automatisch, dass die Beziehung gesund ist.

Wie erkenne ich, ob ich nur noch hoffe?

Wenn du mehr über mögliche Veränderung sprichst als über reale Veränderung. Wenn du immer wieder auf den nächsten guten Moment wartest. Wenn du selten ruhig bist, aber ein kleiner Hoffnungsschimmer reicht, damit du bleibst.

Wie komme ich aus dieser Schleife heraus?

Nicht durch Selbsthass. Der erste Schritt ist, die Dynamik zu erkennen. Schreibe auf, was tatsächlich passiert – nicht nur, was du hoffst. Prüfe Verhalten statt Versprechen. Und frage dich: Fühle ich mich sicher, oder warte ich nur auf den nächsten Gewinn?

Schlussgedanke

Vielleicht bist du nicht schwach.

Vielleicht bist du nicht dumm.

Vielleicht bist du auch nicht einfach „zu abhängig“.

Vielleicht sitzt du an einer Slot-Maschine, die genau die richtigen Knöpfe drückt.

Hoffnung.

Sehnsucht.

Anerkennung.

Nähe.

Das Bedürfnis, endlich gesehen zu werden.

Wenn du das erkennst, musst du dich nicht mehr dafür hassen.

Du kannst beginnen, aufzustehen.

Nicht sofort perfekt.

Nicht ohne Rückfall.

Aber mit mehr Würde.

Denn manchmal beginnt Freiheit nicht mit dem endgültigen Abschied.

Sondern mit dem Moment, in dem du erkennst:

Ich spiele nicht mehr um Liebe.

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Anton Schumann begleitet Menschen in Zürich und online, wenn sie in Beziehungen, inneren Mustern oder wiederkehrenden Entscheidungen feststecken. Seine Arbeit verbindet psychologisches Verständnis, klare Fragen und persönliche Erfahrung. Ziel ist nicht, Gefühle wegzumachen, sondern besser zu verstehen, was sie zeigen – und daraus wieder handlungsfähig zu werden.

Wenn du merkst, dass dich das länger beschäftigt

Dann kann ein Gespräch sinnvoll sein. Nicht für schnelle Lösungen – sondern um herauszufinden, was wirklich für dich passt.

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