Lohnt sich eine Initiativbewerbung überhaupt, wenn keine Stelle ausgeschrieben ist?
Ja.
Gute Unternehmen suchen oft ständig gute Mitarbeiter – auch wenn aktuell kein Stelleninserat online ist.
Eine Initiativbewerbung kann deshalb genau zum richtigen Zeitpunkt auf dem richtigen Schreibtisch landen.
Der grösste Irrtum vieler Bewerber
Viele Menschen glauben:
"Wenn keine Stelle ausgeschrieben ist, braucht die Firma niemanden."
Genau das stimmt oft nicht.
Die meisten Stellensuchenden konzentrieren sich auf Jobportale, Karriereseiten und Stellenanzeigen.
Dort bewerben sich häufig dutzende oder sogar hunderte Menschen auf dieselbe Stelle.
Gleichzeitig wird etwas Wichtiges übersehen:
Unternehmen verändern sich laufend.
Mitarbeiter kündigen.
Jemand geht in Pension.
Eine Führungskraft wird befördert.
Ein neues Projekt entsteht.
Ein Team wächst schneller als geplant.
Jemand fällt wegen Krankheit oder Unfall länger aus.
Oder ein Unternehmen merkt, dass eine Position künftig anders besetzt werden sollte.
Oft weiss die Personalabteilung heute noch gar nicht, dass sie in einigen Wochen oder Monaten jemanden suchen wird.
Warum gute Unternehmen fast immer nach guten Mitarbeitern Ausschau halten
Viele Unternehmen suchen nicht nur dann gute Mitarbeiter, wenn sie ein Stelleninserat veröffentlichen.
Sie suchen sie eigentlich ständig.
Denn gute Mitarbeiter sind selten.
Deshalb schauen viele Führungskräfte und Personalverantwortliche genau hin, wenn eine interessante Bewerbung auf ihrem Tisch landet.
Die eigentliche Frage lautet deshalb oft nicht:
"Hat das Unternehmen heute eine offene Stelle?"
Sondern:
"Könnte dieses Unternehmen sich vorstellen, mit mir zu arbeiten?"
Genau hier liegt die Stärke einer guten Initiativbewerbung.
Warum Unternehmen über passende Initiativbewerbungen oft froh sind
Versetzen wir uns kurz in die Lage eines Unternehmens.
Die Alternative sieht häufig so aus:
- Stellenprofil erstellen
- Inserat schreiben
- Inserat veröffentlichen
- 50 bis 300 Bewerbungen prüfen
- Gespräche führen
- Referenzen einholen
- Absagen schreiben
- Wochen oder Monate investieren
Wenn stattdessen bereits eine passende Bewerbung vorliegt, spart das Zeit, Geld und Aufwand.
Viele Bewerber glauben:
"Ich störe die Firma."
Oft ist das Gegenteil der Fall.
Natürlich wird nicht jede Initiativbewerbung zu einer Anstellung führen.
Doch viele Unternehmen freuen sich über interessante Kandidaten, die Eigeninitiative zeigen.
Meine Erfahrung aus über zehn Jahren Jobcoaching
Als ich noch als Jobcoach gearbeitet habe, sagte ich meinen Klienten immer wieder denselben Satz:
Wartet nicht nur auf ausgeschriebene Stellen.
In über zehn Jahren habe ich hunderte Bewerbungen gesehen.
Die erfolgreichsten Kandidaten waren oft nicht jene mit den perfekten Unterlagen.
Sondern jene, die den Mut hatten, direkt auf interessante Unternehmen zuzugehen.
Nicht wahllos.
Nicht per Massenmail.
Sondern gezielt.
Mit ehrlichem Interesse.
Menschen spüren meist sehr schnell, ob jemand wirklich bei ihnen arbeiten möchte oder einfach nur irgendeinen Job sucht.
Ich habe mehrfach erlebt, dass Unternehmen Möglichkeiten geschaffen haben, die vorher gar nicht existierten.
Nicht weil gerade eine Stelle frei war.
Sondern weil die richtige Person zur richtigen Zeit aufgetaucht ist.
Der verdeckte Arbeitsmarkt: Chancen, die nie ausgeschrieben werden
Ein grosser Teil des Arbeitsmarktes bleibt für viele Menschen unsichtbar.
Stellen werden intern besetzt.
Über Empfehlungen vergeben.
Über Kontakte vermittelt.
Oder entstehen erst, nachdem jemand Interesse gezeigt hat.
Gerade kleinere und mittlere Unternehmen denken oft pragmatisch:
"Eigentlich könnten wir diese Person gut brauchen."
Wer nur auf ausgeschriebene Stellen wartet, sieht diesen Teil des Arbeitsmarktes nie.
Schweizer Unternehmen, die Initiativbewerbungen ausdrücklich begrüssen
Wer glaubt, Initiativbewerbungen seien unerwünscht, irrt sich oft.
Zahlreiche Schweizer Unternehmen schreiben auf ihren Karriereseiten ausdrücklich, dass sie Initiativ- oder Spontanbewerbungen willkommen heissen.
Zum Beispiel:
• Ricola
• Victorinox
• ISS Schweiz
• Louis Widmer
• ERNE Gruppe
• Robert Aebi AG
• Pistor AG
• Cyberlink AG
• STEINEL Solutions
• Storopack Schweiz
• Stettler Consulting
• Randstad Schweiz
• Impirio AG
• Flexsis AG
• Implenia
• EBL
• RVK
• swisspor
• CMS Schweiz
• Genesis Swiss Team AG
Warum Initiativbewerbungen oft erfolgreicher sind als gedacht
Eine gute Initiativbewerbung sendet starke Signale:
- Eigeninitiative
- Motivation
- Interesse
- Mut
- Verantwortungsbewusstsein
- Selbstvertrauen
Unternehmen merken sofort:
Diese Person bewirbt sich nicht einfach irgendwo.
Sie möchte genau hier arbeiten.
Und genau das macht häufig den Unterschied.
Menschen stellen Menschen ein.
Nicht nur Lebensläufe.
Initiativbewerbung, Spontanbewerbung oder Blindbewerbung?
Die Begriffe werden häufig verwechselt.
Eine Initiativbewerbung ist die gezielteste Form.
Du recherchierst das Unternehmen, mögliche Ansprechpartner und formulierst deine Bewerbung individuell.
Eine Spontanbewerbung funktioniert ähnlich, ist aber oft etwas allgemeiner gehalten.
Eine Blindbewerbung hingegen wird meist ohne echte Recherche und ohne Bezug zum Unternehmen verschickt.
Entsprechend sind die Erfolgschancen häufig deutlich geringer.
Meine 7 wichtigsten Tipps für erfolgreiche Initiativbewerbungen
1. Wähle bewusst deine Wunschunternehmen
Lieber zehn gute Bewerbungen als hundert beliebige.
2. Recherchiere vor dem Schreiben
Je mehr du über das Unternehmen weisst, desto persönlicher wird deine Bewerbung.
3. Nutze LinkedIn
Finde Ansprechpartner, aktuelle Entwicklungen und Gemeinsamkeiten.
4. Schreibe nicht wie ein Bittsteller
Du suchst nicht nur einen Job.
Du bringst Fähigkeiten, Erfahrung und Mehrwert mit.
5. Zeige echtes Interesse
Menschen spüren sehr schnell, ob Interesse authentisch ist.
6. Halte deine Unterlagen klar und verständlich
Ein guter Lebenslauf schlägt oft ein riesiges Dossier.
Nicht immer muss es dabei ein vollständiger Lebenslauf sein. Gerade bei Erstkontakten oder Initiativbewerbungen kann ein gut gestalteter One-Pager oft wirkungsvoller sein als ein umfangreiches Bewerbungsdossier.
➡️ One-Pager Bewerbung: Wann eine Seite mehr bewirken kann als ein kompletter Lebenslauf
7. Warte nicht auf den perfekten Zeitpunkt
Viele Chancen entstehen erst, nachdem jemand den ersten Schritt gemacht hat.
FAQ
Haben Initiativbewerbungen wirklich Chancen?
Ja. Viele Stellen werden nie ausgeschrieben oder entstehen erst, wenn eine interessante Person auftaucht.
Sind Initiativbewerbungen in der Schweiz üblich?
Ja. Zahlreiche Schweizer Unternehmen begrüssen sie ausdrücklich.
Wie viele Initiativbewerbungen sollte ich verschicken?
Lieber wenige und gute als viele Standardmails.
Sollte ich LinkedIn nutzen?
Ja. LinkedIn erleichtert Recherche, Vernetzung und Kontaktaufnahme enorm.
Soll ich zuerst anrufen?
Wenn es zur Unternehmenskultur passt, kann das sinnvoll sein.
Schlussgedanke
Viele Menschen fragen:
"Ist dort gerade eine Stelle ausgeschrieben?"
Vielleicht ist die spannendere Frage:
"Wo würde ich eigentlich gerne arbeiten?"
Gute Unternehmen suchen nicht nur dann gute Mitarbeiter, wenn sie ein Inserat schalten.
Sie suchen sie eigentlich ständig.
Deshalb lohnt es sich manchmal, nicht auf die perfekte Gelegenheit zu warten.
Denn vielleicht wartet auf der anderen Seite nicht die perfekte Stelle.
Sondern ein Unternehmen, das noch gar nicht weiss, dass es genau Sie sucht.
➡️ Lebenslauf schreiben Schweiz: Tipps, Beispiele und häufige Fehler
➡️ Lebenslauf Führungskraft Schweiz: Reales Beispiel mit Erklärung
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Über den Autor
Ich bin Anton Schumann, Coach in Zürich und ehemaliger Jobcoach. Über mehr als zehn Jahre habe ich Menschen bei Bewerbungen, beruflicher Neuorientierung und Karrierefragen begleitet. Dabei habe ich immer wieder erlebt, dass Mut, Eigeninitiative und Sichtbarkeit oft wichtiger sind als perfekte Bewerbungsunterlagen.




