Ist Kiffen wirklich besser als Alkohol?
„Lieber kiffen als saufen.“
Diesen Satz höre ich immer wieder – von sehr jungen Menschen, aber auch von Gleichaltrigen.
Man kann die Vorteile von Kiffen gegenüber dem Saufen durchaus diskutieren. Alkohol verursacht in vielen Leben enorme Schäden – körperlich, sozial und emotional.
Doch vielleicht ist die eigentliche Frage eine andere:
Muss man sich wirklich zwischen zwei Drogen entscheiden?
Oder wäre es möglich, ganz ohne sie auszukommen?
Leider gibt es viele Gründe, weshalb Menschen süchtig werden. Einige davon kenne ich aus eigener Erfahrung.
Kurzantwort: Ist Kiffen weniger schädlich als Alkohol?
Viele Studien zeigen, dass Alkohol körperlich und gesellschaftlich grössere Schäden verursacht als Cannabis. Das bedeutet jedoch nicht, dass Kiffen harmlos ist. Auch Cannabis kann abhängig machen, Motivation reduzieren und psychische Probleme verstärken.
Die entscheidende Frage lautet deshalb oft nicht:
Welche Droge ist weniger schlimm?
Sondern:
Warum braucht man überhaupt eine Droge?
Warum ich als Jugendlicher gekifft habe
Wenn ich ehrlich zurückblicke, hatte Cannabis für mich mehrere Funktionen.
Cannabis machte gleichgültig
Der Stress mit Schule, Hormonen und den Eltern verschwand für ein paar Stunden.
Nicht gelöst – aber gedämpft.
Cannabis brachte wieder Spass
Dinge, die mich als Kind begeistert hatten, wirkten plötzlich leer oder langweilig.
Kiffen brachte kurzfristig wieder ein Gefühl von Leichtigkeit.
Kiffen war cool
In der Schule zeigte man uns zur Prävention den Film
Wir Kinder vom Bahnhof Zoo.
Ironischerweise machte mich dieser Film eher neugierig als vorsichtig.
Kiffen fühlte sich nach Freiheit an
Als Teenager hatte ich das Gefühl, dass vieles über meinen Kopf hinweg entschieden wurde.
Kiffen war etwas, das ich selbst bestimmen konnte.
Wenn ich schon wenig Kontrolle über mein Leben hatte, dann wenigstens darüber, was ich mit meinem eigenen Körper machte.
Kiffen war Abenteuer
Neue Bewusstseinszustände.
Neue Menschen.
Neue Zugehörigkeit.
Beschaffung, Heimlichkeit, Nervenkitzel.
All das fühlte sich intensiv und aufregend an.
Alkohol erfüllte eine andere Funktion
Alkohol betäubt und enthemmt.
Wenn die Wahrnehmung gedämpft ist, tut man Dinge, die man sonst nie tun würde.
Das fühlt sich dann leicht wie Mut an.
Als Wirtskind hatte ich ausserdem Zugang zu Alkohol – und wurde plötzlich vom Aussenseiter zum Coolen.
Später merkte ich jedoch, dass der Alkohol genauso wenig eine Lösung war.
Die Nachteile kennst du wahrscheinlich bereits
Die Nachteile von Cannabiskonsum sind inzwischen gut dokumentiert.
Dennoch geht es um eine grundlegendere Frage.
Jedes Wesen auf diesem Planeten will leben.
Beim Menschen ist das manchmal weniger eindeutig. Rauchen, Saufen und Kiffen gehören kaum zu den Dingen, die das Leben langfristig stärken.
Viele Menschen unterschätzen auch körperliche Folgen. Neben Konzentrationsproblemen und Motivationsverlust berichten manche sogar von sexuellen Problemen wie Erektionsproblemen.
Trotzdem schaffen es viele Menschen nicht einfach aufzuhören.
Wenn das so leicht wäre, gäbe es wohl kaum so viele Süchtige.
Mein Wendepunkt
Früher dachte ich:
Das Gegenteil vom Leben ist der Tod.
Heute sehe ich das anders.
Für mich ist das Gegenteil vom Leben das Leiden.
Nicht Schmerz oder Trauer – die gehören zum Leben.
Ich meine das freiwillige Leiden, das entsteht, wenn wir unsere Probleme dauerhaft verdrängen.
Erst als ich begann, meine Themen wirklich anzuschauen – unter anderem durch Coaching – brauchte ich Cannabis und Alkohol nicht mehr.
Unser Körper hat seine eigene Drogenfabrik
Unser Körper besitzt bereits eine erstaunliche Drogenfabrik.
Er produziert Stoffe wie Dopamin, Serotonin und Endorphine – körpereigene Substanzen, die Motivation, Glück und Verbundenheit beeinflussen.
Viele Menschen haben jedoch das Gefühl, externe Drogen seien stärker als unsere eigenen Drogen.
Besonders dann, wenn das eigene Leben wenig Sinn oder Erfüllung bietet.
Selbst ein Kamillentee kann pharmakologisch als Droge gelten – daher stammt auch das Wort Drogerie.
Wie man mit Kiffen aufhören kann
Wenn du merkst, dass Cannabis mehr Kontrolle über dich hat als du über deinen Konsum, können diese Schritte helfen.
1. Finde einen echten Grund aufzuhören
Mehr Energie.
Mehr Klarheit.
Mehr Selbstachtung.
2. Finde etwas, das dich wirklich erfüllt
Musik, Sport oder kreative Projekte.
3. Suche dir eine sinnvolle Arbeit
Eine Tätigkeit, die mehr ist als nur ein Job.
4. Sprich über das, was du verdrängen möchtest
Viele Süchte entstehen aus ungelösten Themen.
5. Meditiere
Meditation kann helfen, wieder Zugang zu sich selbst zu finden.
6. Geh deine Baustellen an
Ein klareres Leben reduziert oft den Wunsch, sich zu betäuben.
7. Überprüfe, womit du dein Gehirn fütterst
Schon einmal das Handbuch gelesen?
Oder dich gefragt, ob ein sogenanntes Dopaminfasten helfen könnte?
8. Hol dir Unterstützung
Sprich mit einem Spezialisten über deinen Konsum.
9. Fang einfach an
So banal es klingt:
Nicht perfekt.
Aber ehrlich.
Fazit: Die eigentliche Frage ist nicht Cannabis oder Alkohol
Die Frage lautet nicht:
Ist ein Joint besser als ein Bier?
Die wichtigere Frage lautet:
Was versuche ich eigentlich zu betäuben?
Wenn du diese Frage ehrlich beantwortest, verändert sich oft mehr als nur dein Konsum.
Wenn du merkst, dass hinter deinem Konsum vielleicht mehr steckt als nur Gewohnheit, kann ein Gespräch manchmal überraschend viel Klarheit bringen. In meinem Coaching begleite ich Menschen dabei, solche Themen ehrlich anzuschauen.
FAQ: Cannabis, Alkohol und Aufhören
Ist Kiffen weniger schädlich als Alkohol?
Alkohol verursacht statistisch mehr körperliche und gesellschaftliche Schäden als Cannabis. Dennoch kann auch Cannabis abhängig machen und psychische Probleme verstärken.
Kann Cannabis abhängig machen?
Ja. Besonders bei regelmässigem Konsum kann eine psychische Abhängigkeit entstehen.
Wie merkt man, dass man ein Problem mit Kiffen hat?
Typische Anzeichen sind steigender Konsum, Motivationsverlust, Schwierigkeiten im Alltag oder das Gefühl, nicht mehr aufhören zu können.
Wie kann man mit Kiffen aufhören?
Neue Routinen, Bewegung, soziale Unterstützung und ehrliche Selbstreflexion helfen vielen Menschen. Bei stärkerem Konsum kann professionelle Unterstützung sinnvoll sein.
Über den Autor
Anton Schumann ist Coach in Zürich und begleitet Menschen dabei, Klarheit über ihr Leben, ihre Werte und ihre Entscheidungen zu gewinnen.
Viele seiner Klienten kommen zu ihm, weil sie im Alltag funktionieren – sich innerlich aber blockiert fühlen oder feststecken.
Mehr über seinen persönlichen Hintergrund erfährst du auf der Seite Über mich.
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